Eine Pilgerreise beginnt an der eigenen Haustür – Ganz im Sinne dieser alten Weisheit starte ich den Jakobsweg am Sonntag, den 20. September 2026, nach einem Abschiedskuss von meiner Frau im Lahrer Osten. Ich bin dann mal weg…. aber erstmal nur bis zum Abend.
Der offizielle Badische Jakobsweg führt durch die Gemarkungen der Lahrer Ortsteile Hugsweier, Langenwinkel und Kippenheimweiler, weshalb ich also erst einmal die letzten fünf Kilometer des nicht verzeichneten „Geroldsecker Jakobswegs“ entlang der B415 zu absolvieren habe. Als ich hier an St. Peter und Paul im Lahrer Zentrum vorbeikomme, hat dort gerade die Sonntagsmesse begonnen, an der ich teilnehme.

Schnell fällt mir danach auf, dass es doch etwas ganz anderes ist, an den Straßen, auf denen man schon dutzende oder hunderte Male mit dem Auto gefahren ist, zu Fuß entlang zu gehen, dass man per pedes viel mehr Details wahrnimmt, die einem zuvor nie aufgefallen waren.

So geht es vorbei am Friedrich-Ebert-Platz, dem Arena-Einkaufszentrum, dem Bürgerpark und den Schrebergarten-Kolonien Römerstraße/Vogesenstraße und weiter über die einzige derzeit passierbare Lahrer Fußgänger-Bahnbrücke, um westlich der Rheinschiene dann auf den offiziellen Jakobsweg einzubiegen, den dort die Raiffeisenstraße bildet.

Schon bald finden sich hier die ersten Zeichen dafür, dass man richtig ist, nämlich die Jakobsmuschel auf Aufklebern, die an Laternenmasten und Straßenschildern angebracht sind, wobei die geschlossene Seite der Muschel immer die Richtung weist.

Hier geht es dann östlich an Langenwinkel und auch zunächst an Kippenheimweiler vorbei, wobei man von letzterem nach dem Einbiegen in die Wylerter Hauptstraße auch noch ein bisschen etwas zu sehen bekommt. Weiter geht es dann über einen Feldweg am Südufer des Waldmattensees entlang in Richtung der Autobahn, wo sich die Autobahnraststätte Mahlberg für eine kleine Pause anbietet, die von der Rückseite her übrigens noch etwas hässlicher ist, als von vorne.

Weiter geht es östlich entlang der Autobahn bis dann die Brücke Schmiedeweg, eine bei Einheimischen beliebte Abkürzung zwischen Mahlberg und Grafenhausen die Überquerung der A5 möglich macht. Hier teilt man sich die Straße mit sehr schnell fahrenden Autos und sollte etwas vorsichtig sein. Während ich mich über den Feldweg von Norden her Grafenhausen nähere, werde ich Ohrenzeuge einer offensichtlichen Verfolgungsjagd zwischen einem Motorrad und mehreren Polizeifahrzeugen mit Martinshorn. Zu sehen ist allerdings nichts und auch am nächsten Tag noch keine Polizeimeldung dazu zu finden.

Gut zu erkennen ist schon von weitem die Grafenhausener Kirche St. Jakobus, die dem Apostel Jakob dem Älteren geweiht ist, dessen Grab in Santiago de Compostela ja wiederum das Ziel aller Jakobswege ist.

Unmittelbar neben der Kirche, im Anbau eines Fachwerkhauses von 1822 befand sich übrigens von April 2022 bis Dezember 2023 mein Arbeitsplatz. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war hier das Wahlkreisbüro eines damaligen Bundestagsabgeordneten.

St. Jakobus ist eine wunderschöne Barockkirche, deren Besuch ich nur empfehlen kann. Verbinden lässt sich das gut mit einem Essen im Elsässer Hof im Ortsteil Kappel und einer Nutzung der kostenlosen Autofähre über den Rhein nach Rhinau.
Von der Kirche geht es dann weiter Richtung Süden, vorbei am Fußballplatz des SV Grafenhausen am Ettenbach und dann in Richtung Südwesten nach Rust. Hier ist der durch die wuchernde Hecke besonders schmale Fußgängerweg für Fahrräder freigegeben und obwohl auf der Straße kaum Autos fahren, nutzen ihn Radler jeden Alters und jeder Geschwindigkeit in beide Richtungen. Ein Verhalten, das mir etwas irrational vorkommt. In Rust geht es mitten durch den Ort, vorbei an der Kirche St. Petrus und am bekannten Europa-Park, bis zwischen die beiden Erlebnishotels Castillo Alcazar und Colosseo. Hier endet nach etwa 20 Kilometern meine erste Etappe und der Shuttlebus zum Bahnhof Ringsheim bringt mich wieder auf den (vorläufigen) Nachhauseweg.

Die nächste Etappe werde ich an genau dieser Stelle starten. Im weiteren Verlauf der insgesamt etwa 2.200 Kilometer langen Strecke wird es natürlich zunehmend unsinnig werden, einzelne Tagesetappen zu absolvieren, da man irgendwann dann mehr Zeit für die Anreise zum Start- und Rückreise vom Zielpunkt bräuchte, als für die jeweilige Etappe. Südfrankreich oder Teile des camino frances in Spanien braucht man dann unter zwei Wochen nicht planen. Aber eines nach dem anderen.
Wie lange es am Ende genau dauern wird, bis ich Santiago de Compostela in Nordspanien erreiche, lässt sich heute noch nicht erahnen. Etwa 100 Tagesetappen werden es wohl sein, verteilt auf mehrere Jahre. Aber wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel.