Zunächst einmal muss man feststellen: Der größte Gewinner ist erwartungsgemäß die AfD. Von 9,7% auf 18,8% bedeutet ein Plus von 9,1 Punkten und damit fast eine Verdopplung. Als Kandidat im Wahlkreis Lahr darf ich mich sogar mit 22,1% nach 10,0% in 2021 über ein Plus von 12,1 Punkten freuen. Besonders erfreulich ist dabei das Erststimmenergebnis in der Stadt Lahr mit 30,9%. Dafür ein herzliches Dankeschön!
Zweiter Gewinner ist die CDU, die ihr Ergebnis von 24,1% auf 29,7%, also um 5,6 Punkte steigern konnte. Gleichzeitig hat sie im neuen Wahlsystem 56 von 70 Wahlkreisen gewonnen, was einem Anteil von exakt 80% entspricht. Die Überhangmandate und die aus ihnen resultierenden Ausgleichsmandate lassen den Landtag auf 157 Abgeordnete anwachsen.
Der Wahlkreissiegerin Marion Gentges gratuliere ich zu ihrem Erfolg. Sollte sie Migrationsministerin bleiben, hoffe ich aber sehr, dass die LEA/EA für Lahr jetzt wirklich vom Tisch ist!
Dramatische Verluste für SPD und FDP
Trotz Wählerverlust immer noch knapp Wahlsieger sind die Grünen mit 30,2%. Nach 32,6% vor fünf Jahren ist das ein Minus von 2,4 Punkten. An Sitzen entfallen auf sie aber nur genausoviele, wie auf die CDU.
Dramatisch sind die Verluste für SPD und FDP. Die Genossen halbieren sich und können sich mit 5,5% nur knapp mit 10 Abgeordneten als Mini-Fraktion im Landtag halten. Die FDP erntet weiter die Früchte ihres wiederholten Wählerverrats im Bund und scheitert erstmalig in ihrem Stammland an der 5%-Hürde.
Die Linken legen leicht zu, aber scheitern, Gott sei Dank, ebenfalls, womit der neue Landtag dann nur vier Fraktionen haben wird. Das ist dann auch der einzige Punkt, für den man CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel loben muss: Er hat es geschafft, vor allem für junge Leute so abschreckend zu wirken, dass viele von ihnen doch lieber grün statt links gewählt haben, um ihn als Ministerpräsidenten zu verhindern.
Von den früheren SPD-Wählern könnte das auch auf einige zutreffen, aber das Problem der SPD scheint mir vor allem zu sein, dass sie programmatisch unklar und teilweise erkennbar jenseits der Realität ist und ihre Existenzberechtigung vor allem darin zu sehen scheint, sich an der bösen, bösen AfD abzuarbeiten.
Was man aber einmal hervorheben muss:
Ziehen wir das Minus der FDP ab, bleibt für das bürgerliche Lager immer noch ein Plus von 8,6 Punkten. CDU und AfD kommen zusammen auf 91 von 157 Sitzen.
Das grün-rot-rote Lager verliert dagegen 7,1 Punkte und Grüne und SPD haben nur 66 von 157 Sitze im neuen Landtag.
Wenn jetzt die CDU trotzdem als Juniorpartner lieber in eine grün-schwarze Koalition geht, anstatt den Ministerpräsidenten zu stellen, der übrigens nicht unbedingt Manuel Hagel heißen müsste, dann versündigt sie sich erneut an unserem Land und an ihren konservativen Wählern. Denn Özdemir wird, wenn er es jemals vorhatte, seinen pseudo-bürgerlichen Wahlkampfkurs nicht umsetzen können, die Fundis in seiner Partei haben ihm noch am Wahlabend ja ziemlich offen den innerparteilichen Krieg erklärt.
Ich bin gespannt, ob die CDU in Baden-Württemberg die Kraft und den Mut findet, die Zeichen der Zeit zu erkennen.